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Samstag, 28. April 2012

Chemtrails zwischen Mond und Erde - "Sauberer Himmel" und die Bariumwolke der NASA

Die Chemtrail-Bürgerinitiative "Sauberer Himmel" meint, eine Sensation entdeckt zu haben. Ein Nasa-Experiment mit einer "künstlichen Bariumwolke", und sogar Forscher des deutschen Max-Planck-Institutes waren daran mitbeteiligt. Der Artikel heisst dort "Tests mit Barium-Wolken bereits 1971 - NASA/Max Planck Institute Barium Ion Cloud Project"


Screenshot der Sensationsmeldung von sauberer-Himmel.de


31.500 Kilometer Höhe?

Zur Veranschaulichung:


ca 12.700 Kilometer: Erddurchmesser
       10 Kilometer: Reiseflughöhe von Verkehrsflugzeugen
  350-400 Kilometer: Höhe des Orbits der ISS
   31.500 Kilometer: Höhe dieses Experimentes
   36.000 Kilometer: Geostationäre Umlaufbahn
  384.000 Kilometer: Mittlere Entfernung des Mondes von der Erde


 Veranschaulichung der Entfernung des Experimentes

Natürlich sagt man bei sauberer Himmel auch nicht, dass man dazu selbstverständlich eine Rakete benutze und kein Flugzeug. Sogar eine "richtige"  4-Stufige Rakete und nicht nur eine kleine Höhenforschungsrakete. Das Experiment fand mithilfe einer Scout-Rakete statt. Auch verschweigt die Bürgerinitiative, dass es sich um 16 Kilogramm eines Barium-Kupferoxid-Gemisch handelte - 16 Kilogramm, das entspricht dem Gewicht dieses Karpfens. Das alles ist auf der von sauberen Himmel verlinkten NASA-Seite nachzulesen.

 So sah die Rakete aus, die von NASA und dem Max-oPlanck-Institut benutzt wurde. Ein Exemplar kostete in den 70er-Jahren übrigens ca 1,2 Millionen US-Dollar. Bildquelle: Wikipedia

Vielleicht ist das ja nur ein Tippfehler...

Dann suchen wir uns mal andere Quellen, eine ist z.B. das Abstract der Forschungspublikation (allgemein wird so was "Paper" genannt), wer das ganze Paper haben will, muss dafür allerdings 25$ bezahlen. Im Abstract - der "Zusammenfassung" - heisst es:

The National Aeronautics and Space Administration and the Max Planck Institute for Extraterrestrial Physics (MPE), Munich, Germany, conducted a, cooperative experiment involving the release and study of a barium cloud at 31,500 km altitude near the equatorial plane. The release was made near local magnetic midnight on September 21, 1971. The MPE-built spacecraft contained a canister of 16 kg of Ba CuO mixture, a two-axis magnetometer, and other payload instrumentation. It was launched from the NASA, Wallops Island, facilities into a probe trajectory by a four-stage NASA Scout rocket.

Also auch hier steht, dass eine Scout-Rakete eine Wolke in 31.500 Kilometer Höhe erzeugte und das dazu 16 Kilogramm eines Barium-Kupferoxid-Gemischs verwendet wurden. Gibt es noch mehr Quellen? Ja, gibt es. Der Bericht "United States space science program: report to Cospar 1972" ist bei Google-Books zu finden, dort heisst es auf Seite 31:


Screenshot von Google-Books

Also auch hier wird eine Höhe von 31.500 Kilometern angegeben und die Masse des Barium-Kupferoxid-Gemischs wird mit "um 15 Kilogramm" angegeben. Aber wenn schon eine Deutsche Forschungsanstalt beteiligt war, dann wird sich doch wohl auch was in Deutsch finden, quasi aus erster Hand?

Raimar Lüst, ein deutscher Astrophysiker, hat dieses Experiment geplant und war dabei.

Reimar Lüst, der die Geschicke der Max-Planck Gesellschaft prägte und sogar zu deren Präsident ernannt wurde, war dabei. Er hat jahrzehntelang an ähnlichen Projekten weiltweit mitgearbeitet. Eine echte "Primär-Quelle". Anlässlich seines 80. Geburtstags berichtete er über sein Leben und seine Arbeit und diesen Bericht kann man hier als PDF (36 MB) downloaden. Er liest sich auch für Laien locker und ist deshalb ideal, auch für Nicht-Physiker und Nicht-Chemiker zu lesen. Dort heisst es auf Seite 31:

Screenshot aus oben genannten PDF

Aha, er nennt interessante Details, erstmal die Entfernung, die gibt er mit "5,6 Erdradien" an - das entspricht 31.500 Kilometern und lässt keine Feldeutung in Sachen Meter/Kilometer zu. Er spricht aber nur von 1,5 Kilogramm Barium - aber die anderen Quellen mit den 16 Kilogramm sprachen auch von einem "Gemisch" und gaben die Gesamtmenge an. Auf den vorgehenden Seiten beschreibt Reimar Lüst, warum man sich für ein Barium-Kupferoxidgemisch entschied, wen das interessiert, der kann es ja dort nachlesen.

Interessant ist aber, das er Informationen liefert, die man aus den kurzen Abstract nicht erhält. Die Wolke war also 1 1/2 Stunden zu beobachten. Jenseits dieses Zitats gibt er auch den eigentlichen Grund für das Experiment an, denn die im Abstract genannten Gründe zur Erforschung des Magnetfeldes waren eigentlich Nebenaspekte.

Speziell bei diesem Experiment wollte man nicht nur eine künstliche Wolke erschaffen um mehr über die Grenzschicht der Atmosphäre oder das Magnetfeld zu erfahren, sondern das Experiment diente dazu, eine Art "künstlichen Kometenschweif" zu erzeugen um zu klären, warum ein Komet manchmal zwei von der Sonne abgewendete Schweife hat, die auch noch unterschiedlich gebogen sind. Zur Lösung dieses Problems hat dieses Experiment beigetragen. Die Theorie war, dass ein Teil der Materie eines Kometenschweifes ionisiert ist, ein anderer Teil nicht und der Sonnenwind wirkt sich auf "normale" Atome und Ionen unterschiedlich aus, diese Theorie hat man mit diesen Experiment untermauern können um sie 1984 schliesslich zu bestätigen.

Und das schönste ist natürlich, dass es in diesen PDF zwei Bilder  der erzeugten Wolke gibt:

Screenshots vom oben genannten PDF


Was bedeutet das jetzt für die "Chemtrails" und "künstlichen Wolken"?

Tja, da hat sich die Bürgerinitiative einen groben Patzer geleistet. Mit diesem Experiment ist in Sachen Chemtrails oder Haarp gar nichts bewiesen. Wobei ich nicht verschweigen will, dass es zahlreiche Experimente mit kleineren Raketen und Bariumwolken gab, die spielten sich aber alle in Höhen von 100 bis 2000 Kilometern ab. Das ist auch schon Weltraum, allerdings gibt es dort noch Restatmosphäre, deswegen muss z.B. die ISS regelmässig von den angedockten Versorgungsraumschiffen angehoben werden, da sie durch diese sehr dünne Atmosphäre abgebremst wird.

Warum nimmt man eigentlich Barium? Weil es - wenn es da oben mit dem gebundenem Sauerstoff aus den Kupferoxid reagiert - sehr schön leuchtet. Deswegen vermischte man es mit Kupferdioxid, denn wie die Endung "-oxid" verrät, ist dieses Kupfer mit Sauerstoff gebunden, und mit diesen Sauerstoff kann das Barium auch im Vakuum reagieren, wenn die Strahlung der Sonne darauf einwirkt. Und man braucht extrem wenig Barium um eine nachts sichtbare Wolke zu erzeugen. Viele dieser Experimente wurden mit Bariummengen im Grammbereich durchgeführt, wie man den Beschreibungen Reimer Lüsts entnehmen kann.

Während dieser Experimente ändert es übrigens seine Farbe, anfangs ist es grün, durch die Ionisation verfärbt es sich binnen sekunden zu Purpur und letztlich ins bläuliche.

Im Grossen und Ganzen sieht die Sache also ziemlich anders aus, als es sauberer Himmel darstellt. Die Bürgerinitiative reitet auf diesen "Beweis" allerdings ganz schön hochnäsig herum und tut so, als hätte sie die "Smoking-Gun" gefunden. So heisst es bei sauberer Himmel:

Viele Menschen in den USA und Europa stellen sich bekannterweise die Frage, warum das Element Barium so gehäuft im Regenwasser vorkommt. Auch medizinische Untersuchungen bestätigen außergewöhnlich hohe Belastungen des menschlichen Organismus mit Barium. Eine Ursache dafür wäre, dass dieses Barium aus der künstlichen Wolkenerzeugung stammt.
 Also das Barium im Regenwasser und im menschlichen Körper lässt sich ganz bestimmt nicht mit einen Experiment in der Nähe von Geostationären Satelliten  erklären.

Im darauf folgenden Artikel "HAARP, Chemtrails und Barium - Das ist Wissenschaft und keine Verschwörungstheorie!"  heisst es:

Dabei steht in der HAARP-Patentanmeldung geschrieben, dass das Versprühen von Barium in der Atmosphäre die Auswirkungen von HAARP erweitern kann.
Wörtlich heißt es dort:
"It has also been proposed to release large clouds of barium in the magnetosphere so that photoionization will increase the cold plasma density, thereby producing electron precipitation through enhanced whistler-mode interactions."
Das ist toll, denn es zeigt, dass man bei Sauberer Himmel - immerhin gegründet und vertreten von einen Rechtsanwalt - keine Patentschrift lesen kann.

Denn dieses Zitat ist aus dem Kapitel "Background Art", dort wird beschrieben, was bisher alles in der Atmosphärenforschung, in dessen Fussstapfen HAARP treten soll, bisher geschah. Deswegen beginnt dieses Kapitel mit "In the late 1950's,..." und erwähnt alle anderen Experimente (z.B. auch das Zünden von Nuklearwaffen in der oberen Atmosphäre). Ja, mit Bariumwolken, die per Rakete in die obersten Schichten der Atmosphäre oder darüberhinaus erzeugt wurden, hat man experimentiert. Das steht im HAARP-Patent, weil durch HAARP vieler dieser Methoden ersetzt werden können.

In der eigentlichen Beschreibung des Patentes selbst wird Barium kein einziges mal erwähnt.

 Wie wir berichtet hatten, hat die NASA bereits 1971 zusammen mit dem Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik (MPE) ein gemeinsames Experiment mit künstlichen Barium-Wolken durchgeführt.
Wie ich aufgezeigt habe, hat da die Bürgerinitiative einen ganz groben Fehlschluss gezogen.

 Aber auch andere deutsche Wissenschaftler interessierten sich schon in den 60er Jahren dafür, wie sich "die - durch Sonnenstrahlung elektrisch aufgeladenen - Barium-Wolken im Magnetfeld der Erde verhalten", wie einem Spiegel-Artikel aus dem Jahre 1966 zu entnehmen ist (DER SPIEGEL, Ausgabe 9/1966).

... und was steht da in diesen Spiegel-Artikel? Schauen wir mal nach

 Im Institut für Extraterrestrische Physik in Garching bei München bauten Techniker und Weltraumforscher Raketenteile und Meßinstrumente "zu einer Nutzlast zusammen" (Professor Reimar Lüst): Im April und im Juni sollen diese Sonden auf Sardinien und in der Sahara in Höhen von 200 bis 2000 Kilometer aufsteigen und im Gipfelpunkt ihrer Flugbahn unter anderem Barium-Wolken ausstoßen. Die Forscher interessieren sich dafür, wie sich die - durch Sonnenstrahlung elektrisch aufgeladenen - Barium-Wolken im Magnetfeld der Erde verhalten.

Aha! 200 bis 2000 Kilometer Höhe. Flugzeuge fliegen bekanntlich nur um die 10 Kilometer Höhe und Privatfirmen werden bald Weltraumflüge für Privatpersonen anbieten, die knapp über 100 Kilometer hoch sein werden. Das ist alles schon "im Weltraum"

Selbstverständlich gibt es insoweit auch ein entsprechendes Patent.

... und wenn man auf den Link draufklickt, sieht man, das es sich um ein Patent für Raketen handelt, wie diese besser kontrolierbar das Barium im Weltraum ausbreiten können. Wieder nichts mit Chemtrails oder Haarp. Das muss doch schon fast peinlich sein, wenn man Quellen verlinkt, in denen was anderes steht als behauptet.


Grüne Wolke über Moskau

Auch in den vorherigen Artikel bei sauberer Himmel namens "Grüne Wolke über Moskau" bezieht man sich auf das Raketenexperiment. Der einzige Zusammenhang ist "grüne Wolke", was für die Bürgerinitiative ab jetzt wohl das Synonym für "Bariumwolke" ist. Dort handelte es sich um eine grüne Wolke die vor kurzen in und um Moskau aufgetreten ist, deren Ursache war Pollenflug, ausgelöst durch einen schlagartigen Wetterwechsel, was für viele Pflanzen gleichzeitig das Signal war, ihre Pollen auszubringen. Diese Erklärung wird von  sauberer Himmel zwar auch erwähnt, aber zwischen den Zeilen versucht man das als lächerliche Ausrede zu verkaufen.

Wenn das aber keine Pollen gewesen sein sollen, warum werden dann z.B. hier mit Pollen überdeckte Autos gezeigt?


...und in diesem Video kann man ab min 1:10 sogar sehen, wie diese Grüne Wolke aus einem Wald heraus entsteht:


Das hält - wie schon erwähnt - die Bürgerinitiative nicht davon ab, das mit den Barium-Wolken der Raketenexperimente in Verbindung zu bringen:

Im Übrigen war das nicht die erste grüne Wolke, die für Unruhe sorgte: "Kein kleines grünes Männchen hüpfte von  dieser dicken grünen Wolke .... ", heißt es in diesem Zeitungsartikel aus dem Jahre 1967. Nein, man hatte mal wieder Tests mit Barium-Wolken durchgeführt. Ursache der grünen Färbung war somit das Barium.
In den verlinkten Zeitungsartikel von 1967 wird leider nicht die Höhe genannt, nur dass die Experimente offenbar abends stattfanden, denn es heisst dort "after Sunset".

Aber ich nutze mal die Gelegenheit, Bilder von diesen anderen Bariumwolken-Experimenten zu zeigen. Dann kann ja jeder selbst entscheiden, ob die grünen Wolken von Moskau damit etwas zu tun haben oder nicht:

So sehen die "grünen Barium-Wolken" der Raketenexperimente aus:

This unusual picture was taken on May 20, 1976, early in the evening just after dark. A rocket was launched from Tonapah, Nevada carrying a canister of barium. The cannister was released high in the ionosphere to study the effects of solar particles hitting this layer. The cannister was exploded open and the resultant 'green' color is the barium itself. The blue whitish color was caused by the explosion. 

Minolta plus 50 mm lens, Ektachrome, 1968: Wallops Island, on the East coast, did a lot of atmospheric testing in that era with sounding rockets. At it's altitude, the rocket would release, I believe Barium, into the atmosphere to observe how it reacted with the atmosphere at varying altitudes, and how & which way it would disperse. It was very startling when I first saw it, before I knew what it

Bildgalerie aus einer alten Ausgabe des Time-Magazines, leider ohne Datumsangabe 


Die Artikel der Bürgerinitiative haben sich seit Werner Altnickels Abschied deutlich verändert.

Für alle die es nicht mitbekommen haben. Mitbegründer Werner Altnickel hat sich von der Bürgerinitiative getrennt. Als Gründe gibt er mangelnde Transparenz, fehlende Qualitätssicherung zugunsten vieler Meldungen die mehr Klicks bringen, mangelnde Mitsprache der Mitglieder, willkürliche Rauswürfe von Mitgliedern wegen des Verdachts der Unterwanderung und fehlende Möglichkeit auf die Verwendung der Spenden und Einnahmen Einfluss zu nehmen.

Persönlich enttäuscht hat Altnickel wohl, dass Rechtsanwalt Dominik Storr ohne Nachfrage den Text von Werner Altnickel zum Buch "Kriegswaffe Erde" abgeändert hat. Werner Altnickels Stellungnahme kann man auf Werner Altnickels Seite nachlesen. Wer wirklich an den Details interessiert ist, sollte es nicht versäumen auf die im Altnickels Text verlinkten eMails zu klicken.

Altnickels Rückzug wirkt sich deutlich auf die Web-Präsenz der Bürgerinitiative aus, seitdem werden täglich 2-4 Beiträge pro Tag gebracht, und die sind von einer Qualität - naja, an diesen Beispiel mit der Bariumwolke sieht man es ja. Man liefert - ohne es zu merken - einen Beweis dafür, dass Regenwasserproben für den Nachweis von Chemtrails sinnlos sind, man empfiehlt Videos von einen Klimaskeptiker der in einen anderen Interview sachlich begründet, warum die Chemtrails keine Chemtrails sind, Nanopartikel reichen nicht mehr, es könnten ja Nanobots oder gar vernetzte Nano-Computer sein. Jede Kritik prallt ab und wird auch noch als der "Ultimative Beweis für Chemtrails" betrachtet. Man bezieht sich dreimal auf einen Artikel, den man offenbar nicht verstanden hat. Man macht eine sinnlose Unterstützerliste und gibt falsche Zahlen an. Man hat immer noch nicht gemerkt, dass ein A380 sehr grosse Flügel und nach vorne versetzte Triebwerke hat. etc. etc.


Vielleicht will man auch mit dieser Masse an Beiträgen die schärfsten Kritiker wie z.B. diese Seite einfach mit der Masse überschwemmen, auf das man dort die Lust verliert. Wer weiss, was man bei sauberer Himmel wirklich vorhat.

Mittwoch, 4. April 2012

Grail: Mondforschung für die Schule - leider "nicht befriedigend"


Die NASA verbindet mit der GRAIL-Mission Grundlagenforschung mit Öffentlichkeitsarbeit an den amerikanischen Schulen. Die beiden Grail-Sonden umkreisen den Mond und messen dabei durchgehend ihre Entfernung untereinander sowie die Entfernung zur Erde. Dadurch kann man Gravitations-Anomalien des Mondes sehr exakt entdecken, weil sich durch eine solche Anomalie die Position einer der beiden Satelliten minimal verändert.  Und insgesamt kann man so Rückschlüsse auf die Zusammensetzung des Mondes - auch unterhalb der Oberfläche - ziehen.

 Künstlerische Darstellung der beiden Grail-Sonden. Quelle: NASA/JPL-Caltech/MIT

Nebenbei haben beide Sonden jeweils vier Kameras, die den Mond aufnehmen. Diese Kameras werden MoonKAM (Moon Knowledge Acquired by Middle school students) genannt und der Name sagt schon, für was sie benutzt werden sollen - Mittelstufenschülern Wissen über den Mond zu vermitteln.

Das klingt schon mal sehr toll und lobenswert. Schulklassen dürfen einen Bereich des Mondes auswählen und die MoonKams der Grail-Sonden liefern die Bilder für den Unterricht in einer Galerie. So war ich schon sehr gespannt, wie die ersten Bilder denn aussehen, denn von den Kameras selbst ist auf den NASA-Seiten und sogar auf der extra eingerichteten Projektseite kaum eine "harte" Information zu den verwendeten Kameras zu finden. Das ist seltsam, denn normalerweise will der Hersteller ja mit der Leistungsfähigkeit seiner Gerätschaften angeben und die Wissenschaftler brauchen die Spezifikationen um die erhaltenen Daten bewerten zu können.


Nun sind die ersten Bilder da, und - ehrlich gesagt - ich finde sie etwas enttäuschend.

 Eins der besseren Bilder von Grail, um 90° gedreht, damit es hier im Blog nicht (wie sonst meistens) verkleinert sondern in Originalgrösse (!) dargestellt wird. Quelle: Grail Moonkam Homepage, Bild #9568

Warum ich so enttäuscht bin, das werde ich noch schreiben. Jetzt schreibe ich erstmal was zu den verwendeten Kameras. Denn wenn man nichts offizielles über die Kameras erfahren konnte, so sprechen die Bilder eine deutliche Sprache. Es handelt sich offenbar um VIDEO-Kameras im amerikanischem NTSC-Format. Das ergibt sich aus dem Format der Bilder: 720 Pixel breit und 480 Pixel hoch und auf Nachfragen bei der NASA hat man mir das inzw. auch bestätigt, dass es sich um NTSC-Bilder handelt.

Video-Kameras für Einzelbilder?

In den Pioniertagen (siehe hier) war es noch verständlich, denn nur Videokameras lieferten ein elektronisches Bild, das man per Funk versenden konnte. Aber heute? Niemand auf der Erde würde auf die Idee kommen, Portraitfotos mit einer Video-Überwachungskamera zu machen. Jeder, der eine halbwegs bessere Digitalkamera hat, kennt das. Im Foto-Modus macht die Kamera - unterstützt durch Automatik-Programme und Filter - tolle Bilder. Im Video-Modus  wird´s im Vergleich dazu matschig und wenn sich viel bewegt, schlägt die Videokompression erbarmungslos zu. Solche Effekte wie "Interlace" (aka Zeilensprungverfahren) in Videos, die auf die Bedürfnisse uralter Röhrenfernseher zurückzuführen sind und in heutigen Videostandards noch existieren, sorgen für horizontale Streifen bei schnellen Bewegungen. Diese uralten "Notkrücken" aus Röhrenfernsehtagen werden in den gültigen Standards heute noch als Grundlage mitgenommen, obwohl die Technik schon längst darüber hinaus ist.

Nun wo es klar ist, dass es sich wohl um Videokameras handelt, galt es herauszufinden, was diese können und was nicht. Der Hersteller "Ecliptic Enterprises" stellt vor allem so genannte "RocketCams" her, das sind Videokameras die man an Raketen und den Shuttle (und auch an Flugzeugen oder Waffensystemen) anbringt, um Bilder vom Start zu übertragen und zu sehen, ob sich die Booster ordentlich abtrennen, ob die Stufentrennung klappt und die Steuerdüsen funktionieren. Da macht es auch Sinn, Videokameras zu verwenden, denn man will ja "live" sehen, was mit der Rakete gerade passiert und diese Bilder sind für den Zuschauer einer Übertragung natürlich die optischen Highligths.

Typische Anwendung einer "Rocketcam" - Live-Übertragung der Manöver während eines Raketenstartes: Video des Herstellers Eclipse-Enterprises auf YouTube


 Die "Rocketcam" und wie sie in Raketen verbaut wird - Werbebilder des Herstellers Eclipse Enterprises


 Die Vier Kameras einer Grail-Sonde. Im Hintergrund ist das Videoübertragungssystem Quelle: NASA

Tatsächlich, die "Rocketcams" sehen genauso aus wie die Kameras, die in Grail verarbeitet wurden.


Im Datenblatt (PDF 110 KB) zu diesen Rocketcams steht nun aber, das diese Kameras auch das europäische Videosystem PAL beherrschen. PAL bietet gegenüber NTSC ein paar (zugegeben geringe) aber entschiedende Vorteile. Erstens ist die Auflösung in der Höhe größer, PAL arbeitet mit einer Auflösung von 720x576 Pixel. Das wären schonmal 20% mehr Pixel. Immerhin. Und ein weiterer Vorteil, der nur Leuten auffällt, die sich mit Videobearbeitung auseinander gesetzt haben: Das NTSC-Format 720x480 für ein normales Bild im 4:3-Format erzeugt Einzelbilder, deren Seitenverhältnis nicht stimmt, denn bei der NTSC-Auflösung ergibt sich ein Verhältnis 3:2, wenn man von quadratischen Pixeln ausgeht.

Zum Vergleich - was habe ich denn an alten 4:3-Bildmaterial gerade greifbar auf der Platte? Hier ein Bild einer alten "Joachim Bublath"-Folge, ausgestrahlt in 4:3-Format:




 Man sieht deutlich, im NTSC-Format wird der Moderator plötzlich dicker, und das runde ZDF-Logo wird auch gequetscht. Aus den bisherigen Grail-Bilder habe ich nun welche ausgesucht, welche einer der beiden Kameras in Nadir-Ausrichtung, also der direkten "Draufsicht" von einen möglichst grossen runden Krater zeigt, ein Beispiel:



Auch wenn es nicht so sehr auffällt, aber ich habe ca. ein halbes Dutzend grosser, runder Krater überprüft. Alle sind breiter als hoch.

Videobilder im Interlaced-Format. Das ungeeignetste, was man nehmen konnte.

Schlimmer noch, vorhin erwähnte ich doch, das die GRAIL-Kameras noch Bilder in Interlaced-Format übertragen. Das ist - wie schon gesagt - ein uraltes Verfahren für die allerersten Röhrenfernseher. Wie sich das auf Videoübertragungen heute auswirkt, sieht jeder, der  via DVB-T (geringere Bandbreite als Satellit- oder Kabelfernsehen) z.B. mal bei einen Fussballspiel mit schnellen Schwenks auf den Hintergrund gesehen hat.

Das die Bilder im Interlaced-Modus übertragen wurden, sieht man bei Kontrastreichen Bereichen der Grail-Bilder überdeutlich:

4-fache Vergrösserung (Sonst nichts verändert!) eines Ausschnites von Bild #51 (Emily Dickinson Elementary School) BMP-Format

Diese horizontalen Muster entstehen dadurch, dass durch die Bewegung der Sonde und den interlace-Übertragungsformat zuerst die einen Zeilen der des Bildes übertragen werden - die Sonde bewegt sich etwas weiter und manche Helligkeitsbereiche varrieren leicht - und dann werden die übriggeblieben Zeilen übertragen.

 Ein Bild sagt mehr als lange Sätze: 
So funktioniert "interlaced" 
Quelle: Wikipedia

Laut Datenblatt können die Kameras nur in Interlaced-Mode Bilder übertragen, da hat man also schon mal den falschen Kameratyp gewählt. Ich habe bei der NASA nachgefragt und vorgeschlagen, doch nachträglich wenigstens auf das PAL-Format umzuschalten, aber das sei jetzt nicht mehr möglich. Schade, zeigt aber auch wie "nebensächlich" dieses Schulprojekt bei der NASA behandelt wurde. Normalerweise ist es bei der Raumfahrt üblich, auch im Betrieb Software und Einstellungen nachträglich ändern zu können, z.B. weil ein System ausfällt. Offenbar hat man es versäumt, bei den Kamerasystemen ein nachträgliches Update oder Ändern der Parameter zuzulassen. Oder - was ich für wahrscheinlicher halte - man hat niemals sowas in Erwägung gezogen, "Die Firma liefert uns ein fertiges, geschlossenes System, das wir bei Raketenstarts seit Jahren erfolgreich verwenden. Es wird schon alles stimmen..."

Bei der NASA hat man einfach die gelieferten Kameras genommen, getestet ob sie funktionieren und mit den - für Amerika üblichen Standardeinstellungen (NTSC interlaced)  - kompatibel zum ältesten Röhrenfernseher aber für wissenschaftliche Auswertung schlichtweg unbrauchbar - in die Sonden verbaut. Auf meine Nachfrage wurde übrigens auch gesagt, dass man nach der Mission in einer Post-Production die Bildfehler beseitigen und das Seitenverhältnis korrigieren will. Das hätte man sich sparen können, wenn man die Kameras mit vernünftigen Parametern programmiert hätte oder besser noch, gleich vernünftige Kameras eingebaut hätte. Denn überhaupt. Videokameras statt ordentlicher Einzelbildkameras einzubauen und danach von den Videoaufzeichnungen einzelne Standbilder zu übertragen, ist schon eine grundlegende Fehlentscheidung.

Man wird sich bei der NASA wohl gedacht haben "Für die Schüler wird´s schon reichen". Oder noch schlimmer: Man wusste ganz genau, für die Wissenschaft sind diese Kameras unbrauchbar, also "schenken" wir sie den Schülern.

Alles was ich also in vorhergehenden Beiträgen geschrieben habe (In der Raumfahrt werden Schwarzweiss-Kameras mit Farbfiltern davor benutzt, immer auf den verwendeten Farbfilter achten etc) trifft auf die Videokameras von Grail nicht zu. Sie sind wirklich nur "Beiwerk", bei dem die NASA wohl sehr beiläufig bis lieblos gehandelt hat.

Als Heranwachsender war ich immer enttäuscht, wenn man mir "Wissenschaft" vermitteln wollte und es nur Spielzeug statt Brauchbaren gab - z.B. ein "Spielzeugmikroskop", das zwar wie ein echtes Mikroskop aussah, aber keine vernünftigen Bilder erzeugte und dessen Plastiklinsen schon beim Anschauen Kratzer bekamen. Danach hatte ich keinen Bock mehr auf Mikroskopie. So vergrämt man Kindern eher das Streben nach Wissen und Forschen.

Was ist mit Alien-Basen auf den Mond? 
Oder abgestürzten Raumschiffen auf den Mond?

Insgeheim hoffte ich bei evtl. aufkommenden "Alien-Basis-auf-den-Mond"-Diskussionen auf die Bilder von Grail verweisen zu können. Dann hätte ich denjenigen nämlich gesagt:

"Sag, Du seist der Klassensprecher der Schulklasse 8b. Du seist so unendlich traurig, dass das MoonkamProjekt eigentlich nur für USA-Schulen gedacht ist, aber bitte, bitte, liebe NASA, ihr macht in Physik gerade den Mond durch und sende der NASA die Koordinaten. Das schreibst Du am besten einfach auf deutsch direkt an Jesco von Puttkamer und dann machen die für Dich nochmal eine neue, exklusive Aufnahme"

:-D

Das hätte ganz bestimmt geklappt, denn die Bilder werden so oder so gemacht, ganz egal ob sich eine Schulklasse meldet oder nicht. Denn die NASA wird ganz bestimmt nicht für eine Schulklasse die Sonden auf einen anderen Kurs umlenken. Man sammelt dort die Daten, denn Grail soll ja den gesamten Mond auf Gravitationsanomalien erforschen.  Und wenn die Bilder von Grail da sind, dann wird man sie in einer Galerie präsentieren.

Aber mit den Bildern in dieser miesen Qualität wird das nichts mit meiner Zweckentfremdung für die "Alien-Moon-Base"-Fans. Das sieht dank Zeilensprungverfahren (aka interlaced) ja so aus, als wenn die Aliens ein mondumspannendes, dichtes Schienennetz verlegt hätten. Und die anderen Artefakte, die man in den Bildern findet. Ohjeohje. Grail könnte einer der Lieblingsmissionen für UFO-Freaks werden.

Immerhin lernen die Kinder aber vielleicht so etwas über Artefakte, diesmal nicht durch Kompression, sondern durch falsch eingesetzte Videotechnik.

Donnerstag, 29. März 2012

Flaschenpost an Ausserirdische.de: Die NASA-Dunkelkammer des Herrn Wolf

Das ist kein Blogeintrag, sondern eine Flaschenpost an die Teilnehmer des Forums  Ausserirdische.de von einer Diskussion dort erhalte ich zahlreiche Zugriffe, sodass ich sie beiläufig verfolge. Momentan geht es um ein Statement im Rahmen der ellenlangen Disclosure-Pressekonferenz. Genauer geht es um die Aussage von Sergant Karl Wolf, der behauptet, bei Reparaturarbeiten in einen Photolabor der NASA gehört zu haben, wie jemand zugibt, dass man Basen auf der Rückseite des Mondes gefunden hätte und diese vertuscht. Man verweist auf eine Seite mit folgender Kurzbeschreibung:

 Sergeant Karl Wolf (US Air Force) arbeitete als Präzisions-Elektroniker für Fototechnik auf der Langley Air Force Base in Virginia. Mitte 1965 erhielt er den Auftrag bei der Reparatur eines Fotolabors zu helfen, das zur Entwicklung von Fotos der damaligen Mond-Sonde genutzt wurde. Während er in der Dunkelkammer zusammen mit einem Mitarbeiter des Labors wartete, erzählte ihm dieser, dass man auf der Rückseite des Mondes eine "Basis" gefunden habe. Daraufhin holte er Fotos aus dem Archiv des Labors und zeigte sie Karl. Auf den Fotos konnte man ganz klar künstlich geschaffene Strukturen wie Türme und pilzförmige Gebäude erkennen.

Wie kann man das überprüfen?

Schauen wir doch mal nach, was für Sonden 1965 in Frage kommen.

Wikipedia - Chronologie der Mond-Missionen

Es kann sich eigentlich nur um einer der 9 Ranger-Sonden gehandelt haben, die sind aber alle am Ende der Mission auf den Mond abgestürzt, also welchen Film soll es eigentlich gegeben haben, den man in einen Fotolabor entwickeln muss?

Und Ranger hatte - weil die Missionen auf den Mond endeten - deswegen auch keine FILM-Kameras sondern TV-Kameras an Bord. Und was die übertragen, muss man nicht in einen Fotolabor entwickeln.

Bernd Leitenberg beschreibt die Sonden in seinen Blog sehr genau und verständlich:



Dazu dienten 6 Kameras. Die Videocon Sensorgrößen lagen bei allen Kameras bei 25.4 mm Durchmesser. Sie waren mit Antimonsulfid / Antimonsulfoxid als lichtempfindlicher Schicht belegt. Die Kameras wurden von RCA gefertigt.

Die Kameras waren 2 TV Kanälen zugeordnet (TV Kanal F und P). TV Kanal F umfasst zwei Kameras mit einer Brennweite von 25 und 76 mm (Weitwinkelkamera A und Telekamera B). Das Gesichtsfeld betrug bei der A-Kamera 25 Grad und bei der Telekamera 8.4 Grad. Diese Kameras nutzen eine Fläche von 11 x 11 mm auf den Videocons und tasteten diese in 2.5 Sekunden in 1132 Linien ab. Die Bilder wurden nacheinander übertragen, so dass ein Zyklus 2 Bilder umfasste und 5.12 Sekunden dauerte.
Im zweiten Kanal P waren 4 Kameras zugeordnet. Die Brennweiten der Kameras lagen bei 25 mm (25° und 6.3° Gesichtsfeld) und 76 mm (8.4° und 2.1° Gesichtsfeld). Sie tasteten nur eine Fläche von 2.8 x 2.8 mm mit 290 Linien ab, dies jedoch in 0.2 Sekunden. Auch hier wurden die Bilder nacheinander übertragen, so dass ein Zyklus 4 Bilder umfasste und 0.84 Sekunden dauerte.
 
Die Kameras waren in 2 Ketten angeordnet. Jede Kette hatte eine eigene Stromversorgung, einen eigenen Transmitter und Timer. So dass der Ausfall einer Kette nicht die Mission scheitern lies. Die 1200 Wattstunden Batterie war nur für die Fernsehkameras bestimmt. Die 1000 Wattstunden Batterie erlaubte es die wichtigsten Manöver nach dem Start durchzuführen, so dass auch bei Ausfall der Solarpanels die Mission im wesentlichen durchgeführt werden konnte.

Also, was will man in der NASA-Dunkelkammer entwickeln, wenn die Bilder elektronisch übertragen wurden? Auch wenn der angebliche NASA-Mitarbeiter von einer weit früheren Mission berichten sollte, dann muss man wissen, das diese früheren Sonden, die Filmkameras benutzten, diesen an Bord entwickelten und diesen entwickelten Film wie ein Fax-Gerät elektronisch abtasteten und zur Erde funkten.

Es gab 1965 kein Filmmaterial vom Mond bei der NASA, das man in einer Dunkelkammer entwickeln musste.




Mittwoch, 21. März 2012

Falsche Farben und Paintbrush-Pinselstrich. Fälscht die NASA Bilder?

Das die NASA alle Bilder fälscht und retuschiert ist ein weit verbreiteter Mythos, die letzten Tage hat man mich in den Kommentaren mit vermeidlichen Beweisen (natürlich in YouTube-Videos) überschüttet. Dabei zeigt sich, das es an grundlegenden Verstandiss fehlt, wie Wissenschaft funktioniert und was mit Bildern von der NASA (und anderen Raumfahrtorganisationen) gemacht wird. Die Geologin Emily Lakdawalla von der Planetary Society, einer Organisation die von Carl Sagan gegründet wurde und sich für Raumfahrt und der Suche nach ausserirdischen Leben einsetzt, erklärt in knappen 5 Minuten die grundsätzlichen Missverständnisse.


Erste Überraschung: Die Bilder werden gar nicht für uns gemacht! Sie werden für die Wissenschaftler gemacht, und die beeidruckensten davon werden an die Presse weitergegeben. Wissenschaftler wollen in erster Linie keine schönen Bilder haben, sondern Bilder auf denen sie möglichst viel entdecken können. Deswegen werden in der Raumfahrt auch sehr viele Bilder in Falschfarben gemacht, aber dazu kommen wir noch.

Zweite Überraschung (für jüngere Leute):  Bei alten Aufnahmen wurden keine Computer zur Bildbearbeitung benutzt, sondern Schere und Klebstoff. So leistungsfähige Computer gab es damals noch nicht, man hat mehrere Einzelaufnahmen zu einem Mosaik zusammengeschnitten, Emely Lakdawalla wählt als Beispiel dafür ein Bild des Merkurs von Mariner 10 dessen Einzelbilder man hier finden kann. (Von wegen, die NASA verheimlicht alles)


Ein noch deutlicheres Beispiel als das im Video. Mosaik von Mariner-10-Aufnahmen. Quelle: NASA-NSSDC

Dieses Bild wurde 1979 veröffentlicht, zu Zeiten, als ein Apple-Computer noch so und Computergrafiken noch so aussahen. Und die bei den Youtube-Filmern beliebten Bilder von Mars und Mond sind meistens noch älter. Wenn man aus solchen Bildern einen Ausschnitt nimmt und vergrößert und mit heutigen Bildbearbeitungsprogrammen auch noch versucht, da "versteckte Details" herauszukitzeln, dann finden sich an den Schnittstellen natürlich immer etwas, woraus man Gebäude oder Raumschiffe machen kann. Ein Beispiel habe ich hier schonmal erklärt.

Dritte Überraschung: Viele Bilder werden einfach so gemacht, z.B. um eine Kurskorrektur zu kontrollieren. Da ist das Beispiel der Sonde Cassini gut gewählt, denn sie kreist um Saturn und photographiert dort diesen Gasriesen, seinen Ring und seine zahlreichen Monde. Nun ist Saturn aber so weit weg, das ein per Funk übertragener Befehl über 70 Minuten braucht und die Rückantwort der Sonde ebenfalls.

Man kann sie nicht fernsteuern wie ein funkgesteuertes Modellauto, man kann nicht wie bei einer normalen Kamera am Bildschirm schauen "oh, es ist zu dunkel, verändern wir mal die Helligkeit, damit das Bild gut wird". Man kann ihr nur im voraus befehlen "mach von heute 18 Uhr bis morgen 2 Uhr die Bilder mit dieser Helligkeit und dieser Belichtungszeit". Die Sonde macht dann ihre Bilder selbst ohne das man sie beinflussen kann. Dementsprechend sind viele ihrer Bilder misslungen, zu hell, zu dunkel und manchmal macht sie sogar Bilder, während sie sich in eine andere Richtung dreht.

Und manchmal müssen die Leute im Kontrollzentrum die exakte Lage kontrollieren, dann geben sie der Sonde den Befehl, die nächsten Bilder etwas heller zu machen damit man anhand der Sterne die Position kontrollieren, was erstmal dauert bis sie diesen Befehl enthält, dann macht sie ne weile diese absichtlich überhellen Bilder, bis das gewünschte Bild auf der erde angekommen ist, dauert es wieder eine weile. währenddessen die Sonde vielleicht einen Mond in den Blickfeld bekommt, den  sie dann viel zu hell aufnimmt etc.

Dementsprechend kann man in der Übersicht der sog. RAW-Bilder mehr misslungene als gelunge Bilder finden. In den Video "Ringmakers of Saturn" wird sich genau auf diese misslungene Bilder gestürzt. Das Zylinderraumschiff dort ist z.B. nur ein Mond, der aufgenommen wurde als die Sonde sich bewegte und dementsprechend wurde aus den Mond ein Zylinder.

Hier ein Beispiel für so ein "misslungenes" Bild. Die Sonde wollte den Mond Tethys aufnehmen, im Hintergrund überstrahlt der Saturn das Bild aber gnadenlos:

Screenshot aus der Cassini-Raw-Image-Datenbank


Merkt Ihr´s? Die NASA sagt sogar, wann das "gefälschte/retuschierte" Bild kommen wird! :-D




... das bringt mich wieder zurück auf Emely Lakdawalla, denn die ist auf Youtube von jemanden doch tatsächlich beim wegretuchieren von Schiffen oder Städten "erwischt" worden. Bei ihrer Erklärung dazu lernt man sehr viel über die Probleme im Umgang mit diesen Bildern - unbedingt ansehen!




... es ist so einfach zu verstehen, wenn man es nur weiss.

Die Sonde bewegt sich, der Saturn dreht sich und der Mond bewegt sich. Wie man oben am RAW-Beispiel sieht, sind alle Bilder eigentlich schwarz-weiss. Und unter den Bild steht auch, das die Filter CL1 und CL2 verwendet wurden, das sind Farbfilter, die vor der Linse in einer Scheibe angeordnet sind. Welcher Filter welcher Farbe entspricht, kann man in der FAQ zu den Raw-bildern nachlesen. Und da sehen wir, das CL steht für "clear", also gar kein Filter. Dieses Bild nimmt also alle Wellenlängenbereiche auf, die die Kamera verkraften kann.

Um ein Farbbild  in "natürlichen Farben" zu erhalten, muss man erstmal ein Bild mit den roten Filter, dann eins mit den blauen und eins mit den grünen aufnehmen. aber Wissenschaftler sind ja eigentlich gar nicht an schönen Bildern interessiert, sondern an neuen Entdeckungen, deshalb gibt es auch Filter für Farben, die wir Menschen gar nicht sehen können, mit denen man aber bestimmte Stoffe voneinander unterscheiden kann. die verwenden Wissenschaftler viel lieber und deswegen sind die meisten Bilder in der Raumfahrt Falschfarbenbilder.

In den Video von Emely Lakdawalla wird auch die Zusammenstellung einer Farbaufnahme eines Marsrovers gezeigt. Da ist ein kleines aber wichtiges Detail zu sehen:

(Screenshot aus obigen Video)

Das ist ein "Farbkallibrierungs-Ziel" (Calibration Target) das an den Rover angebracht wurde und immer wieder mal versehentlich oder absichtlich von den Kameras des Rovers mitphotgraphiert wird. an den Ecken sieht man farbige Plätchen mit Mischfarben, an deren Darstellung man erkennt, welcher Filter vor der Linse gerade benutzt wurde.

 Übersicht, wie sich durch das Calibration-Target die verwendeten Filter identifizieren lassen - aus den PDF "Color Calibration of Spirit and Opportunity Rover Images" by Ron L. Levin

Die Marsrover Spirit & Opportunity haben jeweils eine Stereo-Kamera, also eigentlich zwei Kameras. Und vor jeder dieser beiden Einzelkameras können durch 8 verschiedene Filter Bilder gemacht werden. Weil die Wissenschaftler so scharf auf möglichst differizierte Daten sind, sind auf diesen beiden Kameras größtenteils auch unterschiedliche Filter montiert, so ergeben sich aus der Kombination bis zu 13 "Grundfarben", in denen diese Rover "sehen" können. Wir Menschen können nur in 3 Farben sehen. Das macht man, um Gesteinsarten besser voneinander unterscheiden zu können.


Und das machte man auch schon bei der ersten gelandete Marssonde Viking 1 so. Das mit den Falschfarbenbildern ignorieren solche Leute wie Richard Hoagland und behaupten stattdessen, der Mars sei voller blauer Ozeane und grünen Wäldern.
 
Deswegen ist es bei Bildern von Raumsonden sehr wichtig, immer darauf zu achten, mit welchen Filtern die Aufnahmen gemacht wurden. Und seriöse Quellen werden diese Informationen immer angeben oder zumindest auf die Quelle verlinken, wo diese Informationen zu finden sind.

Samstag, 17. März 2012

Es wird bald echte Chemtrails von der NASA geben

Was für eine sensationelle Nachricht.

Es wird morgen echte "Chemtrails" geben!
Qualitäts-Chemtrails von der NASA

(das hättet Ihr wohl nicht gedacht, das ich sowas mal schreibe oder? :-)

Es handelt sich dabei um ein Experiment namens Anomalous Transport Rocket Experiment (ATREX) mit den man bisher kaum erforschte Höhenwinde erforschen will. Und diese Winde sind wirklich hoch - in ca. 85 bis 150 Kilometer Höhe - und sehr aussergewöhnlich! Sie wehen an der "offiziellen" Grenze zum Weltraum, der sog. Kármán-Linie und erreichen Geschwindigkeiten von 320-480 Km/h (200-300 mph). Man will 5 Raketen nachts zeitversetzt in diese Höhe schicken, die dann eine Chemikalie freisetzen, die beim Kontakt mit Sauerstoff leuchtend verglüht. Die dadurch erzeugten Leuchtstreifen werden vom Boden von mehreren Orten aus gefilmt, um an deren Ausbreitung mehr über diese Winde zu erfahren.

Erstmal sollten wir uns über die Höhenverhältnisse im klaren werden.

Gerade die Anhänger der eigentlichen Chemtrail-Hypothese (Flugzeuge sprühen heimlich irgendetwas) zeigen meist ein erschreckendes Unwissen über die Atmosphäre und ihren Aufbau. Sie können Höhenangaben einfach nicht einordnen. Damit uns nicht derselbe Fehler passiert, schauen wir uns mal die bekanntesten "Dinge" im Himmel anhand dieser massstabgerechten Grafik an.

(Ich hab sie etwas verkleinert, damit Euere Scrollräder geschont werden)

mit aktuellen bzw. bekannten Objekten ergänzte Grafik, Original von der NASA

Ich fasse mal das oben gezeigte kurz zusammen:

Wie man sieht, habe ich die leeren Flächen mit etwas bekannteren Beispielen gefüllt. Das Atrex-Experiment wird in 80-150 Kilometern Höhe stattfinden. Das ist etwas tiefer als die Höhe bei der um die Erde kreisende Satelliten von der Atmosphäre gebremst werden und deswegen herunterfallen. Dieses Experiment ist also dem Weltraum näher als dem Boden. Und erst ab dieser Höhe zeigt Haarp überhaupt erst eine Wirkung (wenn es aktiv ist), denn dieser Teil der Atmosphäre wird wegen der dort anzutreffenden Ionen auch Ionosphäre genannt. Leider gibts mehr als genug Leute, die glauben, dass die niedrigen Wolken über ihren Dorf von Haarp gesteuert werden. Weit gefehlt, bis zu den normalen Wolken des Wetters sind noch 70 KM Platz, und die Strecke zwischen Dorf und Haarp in Alaska kommt auch noch hinzu. Weiter wird von Chemtrail-Gläubigen auch gerne eine Sendung mit Professor Heinz Haber über Wettermanipulation erwähnt, doch sagt Haber ausdrücklich, das man die Partikel zur Reflexion des Sonnenlichtes in eine Höhe von mind 50 Kilometer ausbringen müsse, diese Höhe sei (für das Gelingen) kritisch. 50 - Kilometer, da befinden wir uns quasi in der "Mitte" zwischen Boden und Weltraum. Nun das nächste Beispiel: Das Video von den Lego-Raumschiff an einem Wetterballon - dieser Ballon erreichte nach den Angaben des Machers eine Höhe von 37 Kilometer, das ist durchaus realistisch - und das Video sah doch schon so aus, als wenn es "im Weltraum" gewesen wäre. Die nächste Etappe: Vorgestern sprang Felix Baumgartner aus einer Höhe von fast 22 Kilometern aus einer an einem Ballon hängenden Kapsel, das war ein Testsprung zur Vorbereitung auf seinen Weltrekordversuch, den er aus einer Höhe von 37 Kilometern machen will um als erster Mensch ohne Flugzeug oder Rakete die Schallmauer zu durchbrechen. In etwa dieser Höhe bei  20-25 Kilometer können Kampfjets maximal fliegen. Diese Höhe ist auch deswegen interessant, weil die Chemtrail-Anhänger gerne auf Studien über das "Ausbringen von Aerosolen in der Stratosphäre" verweisen, in denen aber eigentlich diese Höhe (meistens werden 25-30 KM Höhe angegeben) gemeint ist. So hoch fliegt aber kein normales Verkehrsflugzeug, die Reisehöhe der Verkehrsflugzeuge ist zwischen 9 und 11 Kilometern, technisch könnten sie max. 14 KM Höhe erreichen.

Und schliesslich: das uns allen am naheliegenste Beispiel: In der Höhe von 1-10 Kilometern spielt sich größtenteils unser alltägliches Wetter ab.

Zurück zum ATREX-Experiment
Chemtrails made by NASA:


Wenn das Wetter es erlaubt (Der Starttermin wurde inzw. zweimal verschoben, ich schreibe diesen Artikel weil es eigentlich heute geschehen sollte), werden morgen Nacht von den Wallops-Islands (Virginia) fünf Höhenforschungsraketen des Typs Black Brent in kurzen Abständen gestartet werden, um über den Atlantik ab den Höhen zwischen 80 bis 150 Kilometern an geplanten Orten Trimethylaluminium (TMA) - auszusetzen. (Ja, liebe "Chemmies", das ist eine Form von Aluminium - aber lest bitte weiter, bevor Ihr in Begeisterung verfallt)

Auf dieser Karte sind die geplanten Orte zum Auslassen der Chemikalie und die Beobachtungspunkte eingezeichnet:

 (Quelle: NASA)


Wer sich also zufällig an der Ostküste der USA befindet, sollte sich das nicht entgehen lassen, das wird eine beeindruckende Ligth-Show geben. Aber viel wichtiger ist, das man durch dieses Experiment einer der rätselhaftesten Schichten unserer Atmosphäre besser verstehen wird.

Bei den Abstürzen des Satelliten RoSat und der Marssonde Phobus-Grunt fragten viele "Warum kann man das mit der heutigen Technik nicht genauer vorhersagen?". Das hat viele Gründe, und als zufällig am Heiligabend eine Sojus-Endstufe über Mitteleuropa verglühte, waren diese Fragen besonders laut. Der niederländische Amateur-Astronom Marco Langbroek erklärte es imho am besten, der Weltraumjournalist Daniel Fischer schwitze Wasser und Blut in seiner Live-Verfolgung (Danke dafür nachträglich) und auch ich schwitzte etwas in diversen Foren.

Man spührt die vorhandene Wissenslücke, wenn man sich mit diesen Bereich der Atmosphäre beschäftigt.Wie soll man einen Wiedereintritt eines Satelliten vorhersagen können, wenn schon am Anfang des Wiedereintritts solche kilometerbreiten, aber unerforschten Schichten mit extremen Winden Einfluss nehmen? (von anderen Problemen - Stichwort "Klima" ganz abgesehen, aber das würde hier zu weit führen)

Einfach gesagt. Wir wissen zuwenig über diese Winde in den höchsten Schichten der Atmosphäre. Dieses Experiment wird uns mehr Wissen über diese Grenzschicht zwischen Weltraum und Himmel bringen.

Die Nasa veröffentlicht dazu auch noch dieses Video:



Aber Trimethylaluminium - ist das nicht wahnsinnig gefährliches Zeug?

Ja, diese Chemikalie ist im Labor extrem riskant, so schreibt z.B. die deutsche Wikipedia: "Die Flüssigkeit geht an der Luft spontan in Flammen auf und reagiert explosionsartig mit Wasser" (die englische Version ist ausführlicher). Im Labor möchte man natürlich vermeiden, dass es heftig knallt und brennt, wenn schon nur etwas Luft an diese Chemikalie kommt...

Aber wenn man Bilder aus kilometerweiter - also sicherer - Entfernung machen will, ist genau das ideal. Das Zeug lösst sich spektakulär selbst in seine Grundbestandteile auf, wenn es mit Teilen der Atmosphäre (Wasser oder Sauerstoff) in Kontakt kommt. Und die Grundbestandteile, in die es sich in mind. 80 Kilometern Höhe auflöst  sind: Aluminiumoxid (hat ganz andere Eigenschaften als Aluminium, liebe Chemmies), Wasserdampf und Kohlendioxyd. Das Zeug pusten wir alle direkt oder indirekt jeden Tag in die unteren Luftschichten, die uns wesentlich näher sind - und atmen es ein!

Und jetzt mal ganz ehrlich...

Wo dieses Experiment stattfindet, das ist die Höhe, in der Meteore, Satelliten und Raketenstufen verglühen. Wer jetzt "Skandal" schreit, sollte überlegen, wieviel Raktenstarts die letzen Jahre, Monate, Wochen gemeldet wurden... Von jeder Rakete fallen ca. 95% wieder auf die Erde zurück. Und die Raketen bestehen nicht aus biologisch-abbaubaren Bio-Rohstoffen. Es kommt wesentlich mehr von da oben herunter, als man aus den Medien (egal ob alternativ oder Mainstream) erfährt, siehe diese Liste oder diese Grafik. Warum wird das nicht tagtäglich in den Nachrichten gemeldet? Weil das meiste in der Atmosphäre verglüht oder durch sie neutraliert - also in ungefährlichere Bestandteile zersetzt wird. Und was auf natürlichem Wege über Meteoriten und Staub täglich herunterkommt, ist gar nicht mitgezählt.


Jeden Tag fallen geschätzte 40 tonnen Meteroitenstaub inform von  Mikrometeoriten auf die Erde herab - ohne das wir deren Zusammensetzung kennen. Die Atmosphäre schütz uns sehr effektiv von allen möglichen Kometenstaub, Mikro-Meteoriten etc.

In unserer Kultur gilt es ja sogar als ein Zeichen von Glück, wenn man sowas als Sternschnuppe herunterkommen sieht.

Kaum jemand weiss z.B,  das die Ausdünstungen  von Kometen zu einem Grossteill aus Cyanwasserstoff (aka Blausäure) bestehen - das ist ein chemisch sehr einfaches Molekül und deswegen im Weltraum gar nicht mal so selten. Solches Zeug regnet andauernd vom Weltraum auf uns herab. Die gefährlichen Moleküle überleben aber glücklicherweise die chemischen und physikalischen Vorgänge in unserer  fast hundert kilometer dicken Atmosphäre nicht....

Mal ganz einfach gefragt:

Wenn es in einer Chemie-Fabrik 100 Kilometer entfernt ein Unfall gibt - sowas kommt ja durchaus mal vor -  machst Du dann die Fenster und Türen zu und gehst nicht mehr raus? Dieses Experiment wird in 80-90 KM Höhe über den Atlantik an der US-Ostküste stattfinden also praktisch am anderen Ende der Welt.


Dieses Experiment wird unser Planet ziemlich locker verschmerzen können, zumal es nicht das erste mal ist, das man sowas macht.  Und wer sich gerade an der Ostküste der USA befindet, der bekommt garantiert eine tolles Feuerwerk zu sehen. Achja, in Feuerwerkskörern steckt ja auch oft die andere "Chemtrail-Chemiekalie" namens Barium drin.

Also ich drücke die Daumen, dass das Wetter gut genug ist. Es soll sich ja auch lohnen, denn je besser das Wetter und je besser die erforschten Daten, desto mehr lernen wir über die Winde in dieser ziemlich unbekanten Schicht der Atmosphäre.


______ Update _______

Inzwischen ist das experiment durchgeführt worden, nachdem es mehrmals wegen schlechter Witterungsbedingungen und einmal wegen Fischerbooten in der Sperrzone verschoben werden musste. Diverse Chemtrail- und Haarp-Gläubige vertreten ja die Meinung, das Wetter werde bereits jetzt kontrolliert und es fände sogar ein geheimer "Wetter-Krieg" statt. Tja, dann verstehe ich aber nicht, dass sie den Start für dieses Experiment wegen den ungünstigen Wetterbedingungen so oft verschieben mussten.

Aktuelles vom Atrex-Experiment gibt es hier:
http://galaktische-bloederation.blogspot.com/2012/03/heute-ist-es-passiert-echte-chemtrails.html

Donnerstag, 15. März 2012

Was zeigt das aktuelle NASA-SDO-Video mit der schwarzen Blase an der Sonne?

Ganz aktuell (web.de: "Rätselhaftes Objekt umkreist die Sonne") geht ein Video durchs Netz, das anscheinend eine vor der Sonne parkende schwarze Blase zeigt, die  auch noch Energie von der Sonne über einen Schlauch zu saugen scheint und dann plötzlich mit Warp-Geschwindigkeit wegfliegt.

Die Bilder stammen eigentlich von der NASA-Sonde SDO (Solar Dynamics Observatory). und das Video ist inzw. schon mehrmals in der UFO-Video-Szene bearbeitet worden,  z.B. von den Typen, die sich bei Facebook mit einer halbnackten Akte-X-Schauspielerin vorstellen und behaupteten, das sie geheime chinesische Videos über Städte auf der Rückseite des Mondes hätten.

Hier ist das (warscheinliche) Ursprungs-Video, das sind Aufnahmen der NASA-Sonde SDO vom 11. März 2012.


Sieht schon etwas "strange" aus, dementsprechend sprudeln die Spekulationen. Ein unsichtbares Raumschiff, ein Schwarzes Loch? Anfangs dachte ich, die Aufregung sei vor allem wegen des "schwarzen Tunnels", denn der geisterte vor einem Monat durch manche Medien, aber das war mehr Zufall, denn das SDO hatte da gerade "Geburtstag" und dazu wurde ein "Plasma-Tornado-Video" veröffentlicht...

Aber es geht ja um die schwarze Blase... Was ist das?

Die erste Frage sollte eigentlich sein: 
"Was wird uns eigentlich gezeigt?"

SDO ist keine einfache Kamera, sondern soll Wissenschaftlern helfen, die Vorgänge in der Sonne besser zu verstehen und so bessere Vorhersagen zu Sonnenstürme etc. machen zu können. Einfache Photos von der Sonne würden da nicht viel nützen. Das wichtigste Instrument ist das Atmospheric Imaging Assembly (AIA) - das Ding macht diese Bilder, die wir auf der SDO-Homepage finden und abrufen können. Das sind aber keine normalen Bilder sondern streng nach Wellenlänge gefilterte Aufnahmen. Auch in Wellenlängen, die wir Menschen gar nicht sehen können. so kann man mit den für uns unsichtbaren Ultraviolett quasi "in die Sonnenatmosphäre" hineinschauen und den entsprechenden  Wellenlängenbereich sogar Temperaturen zuordnen, und das ist für Wissenschaftler  natürlich sehr interessant.




Einfach gesagt, SDO ist eigentlich eine Art Wärmebildkamera.

Und jetzt stellen wir uns mal vor, wir würden unsere Welt mit einer Wärmebildkamera aufnehmen, welche den Temperaturen einzelne Farben zuteilt. Und das wäre auch nicht nur eine normale Wärmebildkamera, sondern 10 verschiedene, die jeweils ein Bild von nur einem einzigen, schmalen Temperaturbereich machen. Das in etwa machen die Kameras von SDO nämlich, damit die Wissenschaftler möglichst viel Daten darüber haben, was innerhalb der Sonnenatmosphäre gerade wärmer oder kälter wird. Genau das ist wichtig,wenn man die Vorgänge in der Sonne besser verstehen will.

Und wenn man in userer normalen Welt so eine Super-Spektral-Temperatur-Kamera hätte und wie die NASA als Übersicht und Datenbank präsentieren würde, dann würde es so aussehen:

Tadaaa!! Wir präsentieren stolz

Das HDO - Human Dynamics Observatory

Einfach ein Wärmekamera-Bild von von Wikipedia nehmen, und in drei Farbbereiche trennen - fertig ist das HDO, das Human Dynamics Observatory ;-)

Man erkennt: Nicht mal die Kombination aus allen drei Farben, die wir Menschen sehen können, sieht so aus, wie wir es mit eigenen Augen sehen würden. Und dieses plumpe Beispiel erklärt auch, warum man das bei SDO so macht wie bei einer Wärmebildkamera, denn wenn man sich das Orginalbild im "normalen Licht" anschaut, merkt man, das man dadurch Dinge sehen kann, die eigentlich verdeckt sind - in diesem Fall durch eine schwarze Plastiktüte. So wie man mit SDO in die Tiefen der Sonnenatmosphäre blicken kann, kann man beim Orginalbild Dinge erkennen, die eigentlich von dieser undurchsichtigen Plastiktüte bedeckt sind. Hier ist das Bild zur obigen Grafik :

Quelle: Wikipedia

Wenn man von dieser "Human-Dynamics-Kamera" nur ein einzigen Bildbereich auswählt -z.B. den blauen ganz oben -  und damit die Welt filmen würde, das würde bestimmt sehr seltsam aussehen.

Eine abkühlende Kaffetasse würde diese HDO-Kamera zuerst im roten Bild zeigen, wo sie dann irgendwann verschwindet, um im Grünen Bild aufzutauchen, wo sie vorher nicht zu sehen war. Am Ende passiert dasselbe nochmal im blauen Bild, wo sie auch auf  einmal auftaucht, eine weile sichtbar bleibt um dann wieder im Schwarz zu verschwinden (wie der gesamte Hintergrund, der auf keinem der Bilder zu sehen ist). Und dann ist der Kaffee kalt. Und wenn der Kaffe kalt ist, dann wäre die Tasse mit den Kaffee ein "schwarzes Objekt" auf den roten, grünen und blauen Bild.


Genau das passiert bei den Video. Da ist nichts "schwarzes", sondern da ist etwas, das in diesen Wellenbereich bzw. Temperaturbereich nicht sichtbar ist. 

Tatsächlich lassen sich in den vom Video gezeigten Wellenlichtbereich AIA 171 (für 17,1 nanometer) mehrere solcher schwarzen Blasen finden, das geschieht bei jeder größeren Sonneneruption. Das man diese "Blase" sieht, hängt nur von der richtigen Perspektive ab.

Das was in den Video gezeigt wird ist der Beginn einer Sonneruption, die von uns aus gesehen am Rand der Sonne entsteht, der schwarze "Schlauch" ist eine sog. "Protuberanz" (engl. "prominence") aus der eine Sonneneruption wurde. Und genau in den Moment, wo die Eruption loslegte, da schien diese "schwarze Blase" zu verschwinden.

Space.com schreibt dazu im Artikel zu diesen Video:
Another Image showing the same coronal mass ejection and prominence eruption was captured by the Solar and Heliospheric Observatory on Monday. In this image, which captured light in the visible wavelength range, a bright swirl of material from the prominence trails the fainter edge of the coronal mass ejection as the two plunge into space.
 A coronal mass ejection captured by the SOHO observatory on March 12.
CREDIT: NASA/Goddard Space Flight Center


Nichts besonderes also. Irgendjemand hat im SOHO-Bilderarchiv gewühlt, dort diese mehrmals zu findenes Phänomen gefunden und ein Video draus gemacht. Wer es nochmal von einen Experten hören will, den empfehle ich dieses Video:


Sonntag, 11. März 2012

UFO-Flotten fliegen täglich um die Sonne. Die Anomalien der NASA-Sonden SOHO und STEREO

In vielen Blogs und YouTube-Videos - und manchmal sogar in Zeitungen - wird immer wieder behauptet, dass um die Sonne Raumschiffe, ja ganze Flotten kreisen würden, und das die NASA diese Beweise wegretouchieren oder die Bilder "verschwinden" lassen würde. Skeptiker antworten darauf fast Gebetsmühlenartig mit den Wort "Kompressions-Artefakt". Das wird zwar auf der entsprechenden NASA-Seite ausführlich erklärt, aber wer  glaubt denn schon der NASA?

Die Bilder entstammen fast immer dieser Seite, auf welcher die wichtigsten, aktuellsten Aufnahmen der vier Raumsonden SOHO, SDO, sowie den beiden Zwillingssonden Stereo ahead & behind zu sehen sind. Die einzelnen Raumsonden machen zwar noch viel mehr Bilder in anderen Wellenlängenbereichen, "gefunden" werden die Raumschiffe aber praktisch immer auf den Instrumenten dieser Gesamtübersicht.




Um zu verstehen, was man da zu sehen bekommt ..,


...sollte man erstmal wissen, was welches Bild bedeutet und von wo es aufgenommen wurde - Keine Angst, ich mach es kurz!

 Zur besseren Orientierung hat die NASA die Bilder freundlicherweise so angeordnet, dass das leicht zu verstehen ist. in der mittleren Spalte sehen wie die Bilder von SOHO und SDO, sowie eines Observatorium  auf der Erde. Diese Bilder zeigen die Sonne aus der Sicht der Erde, denn SOHO und SDO befinden sich zwischen Erde und Sonne und diese Sonden haben folglich die gleiche Perspektive wie wir.

Die beiden Stereo-Sonden befinden sich auf Umlaufbahnen ähnlich der Erdbahn. Dabei fliegt (Nomen est omen) Stereo-ahead "Vor" der Erde und Stereo-behind "hinter" ihr. Dank dieser beiden Sonden können wir wriklich alle Teile der Sonne beobachten, auch die für uns eigentlich nicht sichtbare Seite. Dementsprechend sind die Bilder dieser Sonden links und rechts angeordnet. Stereo-Behind sieht die "linke" Seite der Sonne und Stereo-Ahead die "rechte". Einen Sonnenfleck, der sich von uns aus gesehen am rechten Rand befindet, würde Stereo-Ahead folglich in der Mitte der Sonne sehen, und Stereo-Behind gar nicht.

Zudem besitzen die Stereo-Sonden auch Kameras, welche den Raum zwischen der Sonne und der Erde aufnehmen, diese beiden Bilder sind unter den dreispaltigen Raster zu sehen.

Mehr muss man eigentlich kaum wissen, also fangen wir mit den interessanten Teil an. die Raumschiffe! Sind es gigantische pyramidenförmige Lichtschiffe, gigantische Antennenkonstruktionen, grüne BORG-Würfel. Mal schauen, was wir im Netz so finden...

Die Pyramidenschiffe:

Ein schönes Beispiel haben wir hier von der Seite des amerikanischen Lokal-TV-Meteorologen Scott Stevens (Ja, das ist der TV-Meteorologe, den die Bürgerinitiative "sauberer Himmel" mehr glaubt als Jörg Kachelmann und dort vor allen für seine Satellitenbilder-Auswertungen so sehr geschätzt wird, denn nach ihm sind einfache Schwerewellen natürlich "Haarp-Wolken" -und wie er SOHO-Aufnahmen analysiert, lässt mich leider eher weinen)

Also dieser Scott Stevens ist ein selbsternannter Satelliten-Experte. und dann bringt er sowas... 


Bildunterschrift von Scott Stevens: "February 24, 2005 1835 UTC -- Looks like a "Pyramid Ship" with antennae or lots of traffic from smaller ships off the capstone of the craft."
 
Die NASA "behauptet" dazu im Gegensatz, dass diese Art von "Bildfehlern" einfach nur Planeten sind. Meistens Merkur und Venus, manchmal auch Jupiter und Mars, einfach die Planten, die man selbst am Himmel beobachten kann, weil sie zur Dämmerung oder am frühen Morgen hell genug sind um gegenüber der Sonne auffallen zu können.

Und wie gehen wir jetzt am besten vor, um diese Behauptung beiderseits kritisch zu überprüfen?

Bei aktuellen Bildern, die erst 1-2 Tage alt sind ist es ganz einfach, da bietet die NASA auf der Übersichtsseite einen Link an, der sich What planets are currently visible? nennt. Bei so alten Aufnahmen geht das natürlich nicht. Aber wir wissen ja, das die hier verwendete Sonde SOHO dieselbe Perspektive wie die Erde hat, und man muss nur die Planetenkonstellation an diesen Tag aufrufen. Das kann  man z.B. mit der Software Celestia machen, ich bin da aber immer etwas zu faul zu, das Programm ist nicht ganz so einfach zu benutzen, da klicke auf  lieber einfach irgendeinen NEO-Asteroiden, die z.B. auf  spaceweather.com aufgeführt ist und spiele mit den dort angebotenen simulierten Sonnensystem die Konstellation nach...


Die Erde ist rechts, die Sonne logischerweise in der Mitte. Schaut  man von der Erde in Richtung Sonne dann befindet sich links von der Sonne der Planet Merkur.

Voila! Seltsamerweise ist da kein UFO, sondern ein Planet, den jeder mit oder ohne NASA-Quellen dort lokalisieren kann. 

Ganz misstrauische (Wer traut schon der NASA!!!) können auf der Bilderdatenbank des jeweiligen Satelliten nachschauen (die Daten gibt es auch von der ESA) und sich die Einzelbilder z.B. von 2-3 Tage früher oder später anzeigen lassen und mit den Planetenbewegungen vergleichen.



Ein weiteres Beispiel, beschriftet von Speaceweather.com


... und hier schalten wir alle einfach mal alle den gesunden Menschenverstand ein...

Wie wahrscheinlich ist es, das sich ein grosses UFO ganz exakt an den Pixelraster des CCD-Chips einer Raumsonde ausrichtet? Was ist wahrscheinlicher? Dass es sich um ein laaaaanges, aber sehr dünnes Raumschiff handelt, das geschätzt 10 mal länger zu sein scheint als der Durchmesser der Sonne (Kreis in der Mitte)? Oder das hier - so wie die NASA es behauptet - es sich um eine überbelichtete Zeile auf den CCD-Chip der Sonde handelt?


Allerdings gibt es auch lange Linien, die nicht am Raster des Chips ausgerichtet sind...

Lange Linienschiffe, gigantische Antennenanlagen?

den grün/schwarzen Nebel bitte übersehen, dazu kommen wir noch.

Diese Linien entstehen, wenn kosmische Strahlung auf den CCD-Chip gelangt, diese hinterlässt solche Spuren. Behauptet wieder mal die NASA. Kann man natürlich überhaupt nicht nachprüfen, oder?



Selbst das kann man nachprüfen!

Wir hatten doch die letzten Tage zwei dicht aufeinander folgende Sonnenstürme, die durch alle Medien gingen. So ein Sonnensturm bringt immer eine Menge Strahlung mit sich. Und tatsächlich, vorgestern hat der Sonnensturm, von den uns das Erdmagnetfeld schützt, die Sonde SOHO voll erwischt, das sieht dann so aus:


zurück zum Ufo-Alltag, der uns seit Jahren serviert wird...

Riesige grüne Borg-Raumschiffe umkreisen die Sonne in Formation...

... könnte man bei solchen Bildern denken, leider finde ich die Seite nicht mehr, ich glaube es war Terragermania oder Politaia. Gemeint sind die grünen Quadrate um die Sonne herum:


Für diejenigen, die wirklich so naiv sind und hinter den Muster nicht Kompressionsartefakte sehen wollen, habe ich eine gute (bzw. schlechte - falls es wirklich die Borg sind) Nachricht. Sie sind immer noch dort:


Scherz beiseite, kommen wir zu einen sehr wichtigen Thema bei Betrachtung von SOHO und Stereo-Bildern: Die Kompression. Und das es von jeden Bild tatsächlich zwei Versionen gibt


Bildkompression oder gefälschte NASA-Bilder?!


Eine Sache, die in Zusammenhang mit diesen Sonden immer wieder genannt wird, ist zumindest nicht ganz falsch. Ja, die Bilder sehen nach ein paar Tagen anders aus! Aber der Grund ist nicht, dass die NASA die UFOs herausretouchiert, sondern ein anderer. Die aktuellen Bilder, die man in der Weltraum-Wetter-Übersicht der NASA  sieht, sind sogenannte Beacon-Bilder. Bilder, die man schnell und "live" übertragen kann, auch wenn die Bandbreite zur Kommunikation mit den Satelliten stark begrenzt ist. Deswegen sind diese Bilder extrem stark komprimiert.

Aus der andern Sicht: Wie blöd wäre eigentlich die NASA, wenn sie jeden Tag (und man findet diese typischen "Sonnen-Ufos" wirklich jeden Tag  direkt bei der NASA )
erst veröffentlicht werden, um sie 2-3 Tage später zu löschen?! Das macht doch überhaupt keinen Sinn, das was man etwas veröffentlicht, das man jedesmal ein paar Tage später plötzlich vertuscht, das wäre doch wirklich ziemlich blöde, oder?.

Wie geschrieben, das ist kein Geheimnis, nur verwechseln da einige Leute etwas Grundlegendes:

Zitat von der NASA-Homepage - Markierungen in italic von mir:

Image artifacts - Beacon data


STEREO has two separate telemetry streams coming down from each spacecraft, the space weather beacon telemetry, and the science recorder playback telemetry. The beacon telemetry contains the most recent data and images, and is transmitted 24 hours per day. A volunteer network of antenna stations around the world collect as much as possible of this real-time data stream, and send it to the STEREO Science Center for processing. However, because the beacon telemetry rate is very low, the images need to be compressed by large factors, and are thus of much lower quality than the actual science data.

The science data collected by the STEREO spacecraft are written to the on-board recorder, which is then read out and transmitted to the ground during daily telemetry tracks using the NASA Deep Space Network. These data are of much higher quality than the beacon data, but take several days to reach the STEREO Science Center website. Thus, the most recent images on the STEREO Science Center browse tool will always be beacon images. These temporary beacon images are replaced with the full-quality versions as they become available, generally about 2-3 days later.

Beacon images can always be recognized by having the character "7" near the end of the filename, e.g. "n7euA", while the full resolution images will have the character "4" in that location.

Wozu hat man eigentlich diese 4 Raumsonden zur Sonnenbeobachtung hochgeschickt? Aus zwei Gründen!

Einerseits, damit Wissenschaftler anhand der Daten die Vorgänge in und um die Sonne herum besser verstehen und zweitens, damit wir vor akuten Sonnenstürmen, Masseauswürfen etc. eine möglichst grosse Warnzeit haben, um unsere Satelliten zu schützen und Flüge umzuleiten. Die Wissenschaftler haben genug Zeit, denen macht es nichts aus, auf die Daten lange zu warten. für die "Sonnensturm-Vorhersagen" ist es aber wichtig, möglichst viel aktuelle Bilder zu haben. Die Bilder müssen nicht schön aussehen, sie müssen nur aktuell sein und das entscheidende zeigen.

Die Nasa gibt ganz offen zu, dass die sehr stark komprimierten Bilder nach 2-3 Tagen (teilweise sogar wesentlich später) gegen echte, nicht komprimierte Bilder ausgetauscht werden. Und der Qualitätsunterschied ist gewaltig. Gewaltig ist aber auch die Datenmenge, die ein unkomprimiertes Bild bei der Übertragung braucht, und die Empfangskapazitäten des Radioteleskop-Netzwerkes Deep-Space-Network der NASA sind begrenzt, sie muss sich ja noch um ca. 80 weitere Sonden im Sonnensystem kümmern. Und im Weltraum gibt´s kein superschnelles VDSL :-D. Deswegen speichern alle Raumsonden die Bilder erstmal im internen Speicher und senden die Rohdaten erst Tage später, wenn das Kommunikationsnetzwerk offene Kapaizitäten dafür hat.

Die Täuschung, welche die UFO-Fans unterliegen ist, dass sie diese extrem stark komprimierten Bilder für "die Echten" halten und die nachgelieferten Rohdaten für die "gefälschten", es ist eigentlich genau andersherum, nur dass die Fehler in den Beacon-Bilder keine Absicht sondern technisch bedingt sind.

Und so sind die meisten "Raumschiffe" echte Kompressionsartefakte, wie zum Beispiel hier:

 Bild von Otacun.net, Nanu, er hat bei diesen Bild keine Quelle angegeben

In Zeiten der superbilligen Speicherkarten, USB-Sticks und 2-3 Terrabyte-Festplatten weis man vielleicht gar nicht mehr, wie ein zu stark komprimiertes Bild aussieht, hier mal ein Beispiel...


Anschauliches Beispiel der Auswirkungen der Quantisierung bei zu starker Kompression

Screenshot von einen Script zu einer Vorlesung von Prof. Oliver Vornberger, Institut für Informatik, Osnabrück 


Man sieht deutlich, dass mit zunehmender Kompression - in diesen Beispiel bei 2% - sich "Blöcke" bilden (auf den Stereo-Bildern meistens überdeutlich), Konturen "geisterhaft" wiederholt werden und Satellitenpixel entstehen. Und das innerhalb eines 8x8-Pixels grossen Blocks sogar Strukturen entstehen, wo vorher keine waren. Meistens ist ein angrenzender scharfer Bereich der Grund, denn ein Bildkompressionsverfahren wie JPeg, das Verlustbehaftet arbeitet, muss ein Bild und seine Regionen "Bewerten" in wichtige und unwichtige Bereiche. JPeg achtet - einfach gesagt - auf scharfe Kontraste und tut so ziemlich alles, um diese anscheinend wichtigen Bereiche einigermassen gut wiederzugeben, und nimmt Fehler, die dabei entstehen im Kauf. Dies nennt man "Quantisierung"


Was sind denn bei so einen vorläufigen Beacon-Bild von Stereo denn die "wichtigen" Bereiche, die trotz der schlechten Bandbreite übertragen werden sollen?
Nnehmen wir mal einfach ein x-beliebiges aktuelles Bild:Wirklich einfach blind auf die Übersicht geklickt.


Natürlich ist - wie bei fast jeden Beacon-Bild - auch was für die UFO-Fans dabei. Aber das, wofür diese Sonden gebaut wurden, ist in deutlich besserer Qualität aufgenommen.

Die Quantisierung erfüllt ihren Zweck, aber da die Quantisierung darauf ausgelegt ist, starke Kontraste zu bevorzugen, erzeugt sie bei hellen Sternen im Hintergrund oder durch kosmische Strahlung erzeugte Pixelfehler automatisch ein verfremdendes 8x8-Pixel grosses Muster, wenn dies in einen - für den Kompressor - unwichtigen Bereich auftritt.

Fällt was auf?! Die Bilder von Stereo sind "schief"

Ja, das ist so eine Sache, welche die NASA leider nicht gut genug erklärt hat. Wir erinnern uns. Stereo Ahead und Behind sollen auf einen möglichst erdnahen Orbit kreisen - damit man die Bilder einfach mit unserer Position vergleichen kann. Aber da machen uns leider das gute alten Keplerschen Gesetze einen Strich durch die Rechnung, denn Stereo-Ahead muss ja schneller als die Erde fliegen, um vor ihr zu sein, dann ist der Orbit aber nicht vergleichbar mit dem der Erde. Bei Stereo-Behind ist es genau umgekehrt, diese Sonde muss langsamer als die Erde sein. Gelösst hat man das bei der NASA mit ekliptischen Bahnen, die nicht mehr ganz exakt auf der Ebene des Erdorbits sind. Das macht auf lange Sicht die Perspektive der Sonden aber "schief". Und das wird - zur besseren Vergleichbarkeit mit den SOHO- und SDO-Bildern von der NASA ausgeglichen. Deshalb sehen wir bei den Beacon-Bildern der NASA schon nicht mehr die Original-Bilder, wie sie der CCD-Chip aufgenommen hat, sondern eine angepasste Version, damit man einfacher die Bilder mit den Bildern anderer Sonden vergleichen kann.Das 8x8-Pixel-Raster der JPG-Kompression wird also durch eine Rotation des Bildes verwaschen - und man erkennt die vorher klaren 8x8-Pixel-Kompressionsfehler durch die Quantisierung nicht mehr so deutlich...

.. Wobei die UFO-Freaks natürlich liebend gerne solche durch die Anpassung der Rotation verwaschene Bilder benutzen, denn wenn man dann seine geliebten Photoshop "Mach scharf was unsichtbar ist"-Filter verwendet, kommen selbst aus den grobklötzigen Farbastufungen (Grüne Blöcke) bei genug Filtereinsatz beeindruckende Ufos heraus.

Extrembeispiel: Mit den richtigen Filtern kann man aus schlecht-komprimierten Bildern natürlich alles Mögliche herausholen. Quelle: Ein Forum namens "frei-denker.org"


Es gibt noch viel mehr "Fehlerquellen" bei den SOHO-/Stereo-Sonden, die für UFO-Sichtungen gehalten werden...

Kometen und Asteroiden

Gar nicht mal so selten - ein "Sungrazer" - Ein Komet oder Asteroid wird von der Sonne angezogen und ist dann datürlich auch auf den Bildern von SOHO oder Stereo zu sehen. Was kaum jemand weiss ist, dass die meisten neuen sonnennahen Kometen in letzter Zeit erst durch die Sonden Stereo, Soho & Co entdeckt wurden. 

 Quelle: Wikipedia

Interne Spiegelung:

Das kommt vor allen bei den HI1-Bildern von Stereo vor, die nicht die Sonne sondern den Raum zwischen Erde und Sonne beobachten. gerät da ein sehr helles Objekt an den Rand des Blickfeldes, gibt es Spiegelungen im internen Linsensystem, was zu seltsamen kreisförmigen Erscheinungen führt:

 Quelle: NASA

Und ganz am Ende was total verrücktes... das Video von Otacun, das mir ein Kommentator hier empfohlen hat. In den ersten Minuten zeigt dieses Video ein Raumschiff , das über den Nordpol der Sonne zu kreisen scheint:

Die Erklärung dafür ist sehr einfach, wenn man es weiss: 

"There are also several much smaller dust particles on the surface of the various detectors. The image below shows a typical dust particle on the EUVI detector on STEREO Behind, in this case just above the Sun's north pole. " Quelle: Nasa "Image artifacts - Telescope and camera defects"

Die Sonde selbst taumelt ein ganz kleinwenig, was man nur in solchen Zeitraffer-Videos merken würde. Aber die Bilder werden von der NASA zur besseren Vergleichbarkeit daran angepasst, sodass dieser Fleck genauso zu kreisen scheint. Glaubst Du nicht? Kannst Du nachprüfen. Wenn da ein schwarzes Raumschiff wäre, dann müsste man es auf der Zwillingssonde Stereo-Ahead auch sehen. Stereo-Ahead bewegt sich "vor" der Erde und Stereo-Behind "hinter" ihr, derzeit betrachten diese beiden Sonden die Sonne von der entgegengerichteten Seiten. Zu den Zeitpunkten die das Video abdeckt, waren sie wesentlich näher an der Erde, in etwa gegenüber. Wenn da etwas über der Sonne schweben würde, müsste die andere Sonde Stereo-Ahead das auch sehen, allerdings spiegelverkehrt. Stereo-ahead hat da aber nichts. Und bei den Sonden SOHO und SDO, die sich "zwischen" Sonne und Erde befinden, müssten man es es auch sehen können, wenn da was wäre.

... schau doch einfach mal selbst nach!

und gehe auf die Seite http://stereo-ssc.nascom.nasa.gov/beacon/beacon_secchi.shtml - dort finden sich praktisch immer Bilder, in deren Kompressionsartefakte man irgendwelche Raumschiffe finden könnte.

Wie blöd wäre eigentlich die NASA, das sie andauernd und täglich dort die vorläufigen Beacon-Bilder veröffentlicht und Tage später gegen die "retouchierten" ersetzt? Wenn das so wäre, dann würde man sich doch eher die zeitnahe Veröffentlichung sparen und die Bilder erst dann veröffentlichen, wenn sie alle "gesäubert" sind. Das wäre ja so als wenn ein Bankräuber seinen Bankraub selbst live als Stream ins Netz stellt und erst Tage später sein Gesicht mit einen schwarzen Balken verdeckt :-D
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