Sonntag, 6. Mai 2012

Pegasos - Atmosphärenforschung mit den Zeppelin

In ein paar Tagen startet ein Forschungsprojekt, das von den Medien wahrscheinlich nur wenig beachtet werden wird. Das Forschungszentrum Jülich hat in Kooperation mit gut zwei Dutzend anderer Europäischen Institutionen einen Zeppelin-NT (NT steht für "Neue Technologie") zu einer grossen, schwebenden Messstation umgebaut. Dieses Projekt trägt den Namen "Pegasos". Man will mehr über den Kreislauf der Abgase erfahren, die wir durch unsere Industrie, dem Verkehr oder nur durch das Heizen in die Atmosphäre pusten.

Um den Kreislauf dieser Schadstoffe, Aerosole und Spurengase besser zu verstehen, bedient man sich des Zeppelins, denn der hat einen entscheidenen Vorteil gegenüber Forschungsflugzeugen und Wetterballons: Er kann an einer Stelle im Himmel schweben und beeinflusst nicht durch seine Eigenbewegungen die feinen Partikel, die ein Forschungsflugzeug verdrängen würde. Und man kann lange Zeit punktuell am selben Ort stehenbleiben und den zeitlichen Verlauf von Schadstoffkonzentrationen erfassen. Man hofft durch diese Messkampagne auch etwas über ein Phänomen zu erfahren, das noch eher theoretischer Natur ist: Es könnte in den untersten Schichten der Troposphäre Bereiche geben, die wie eine "Waschmaschine" wirken und viele dieser Schadstoffe abschwächen oder sogar neutralisieren.

Der für das Pegasos-Projekt umgebaute Zeppelin-NT. Quelle: eu-pegasos.blogspot.de

Zeppeline üben auf mich eine grosse Faszination aus, nicht umsonst nennt man sie "Luftschiffe" in denen man fährt und nicht fliegt. Ich habe selbst ein paar Rundflüge in Sogennannten "Blimps" - das sind eigentlich keine richtigen Zeppeline - erlebt und empfand diese unvergesslich. Man "schwebt" geradezu, einen Vergleich mit Blicken aus dem Flugzeugfenster halten diese Eindrücke kaum stand.

Mit den Begriff  "Zeppelin" verbindet man aber automatisch den Namen "Hindenburg" und den dazugehörigen Unfall. Den heutigen Zeppelinen (NT) kann das nicht passieren, da man keinen leicht entzündlichen Wasserstoff mehr verwendet, der entscheidend zur Katastrophe der Hindenburg beitrug. Heute fliegt man selbstverständlich nur noch mit Helium als Traggas. Man muss im Zusammenhang mit modernen Zeppelinen auch das finanzielle Scheitern des Cargo-Lifters erwähnen, wenn man ehrlich ist. Da wurden zu grosse Erwartungen gesetzt und eine Finanzblase tat ihr übriges. In der Atmosphärenforschung könnten "echte" Zeppeline - wie der Zeppelin-NT  eine Renaissance erfahren.

Das Projekt Pegasus - Atmosphärenforschung mit den Zeppelin

Der größte Vorteil des Zeppelins ist, dass er regungslos irgendwo im Himmel stehenbleiben kann. Da kann man ganz genau erforschen, was von oben oder von unten an Stoffen ankommt. Mit Flugzeugen, Hubschraubern oder Wetterballons geht das so nicht, da sie schon durch ihren Flug die Ergebnisse beeinflussen würden.

Um diesen Vorteil auch auszunutzen, hat man sich bei der Planung der Flugrouten von Pegasos an vorhandene Messtationen am Boden orientiert, um die Ergebnisse vergleichen und in Zusammenhang bringen zu können. Man hat drei Hauptrouten, die ziemlich gut den europäischen "Durchschnitt" wiederspiegeln, vorausgedacht. Da ist alles dabei, vom Industriezentrum Rotterdam bis zum industriell unauffälligem Norwegen. Die erste Route geht von Südwestdeutschland über Westdeutschland in Richtung Holland.

Die erste von drei geplanten Messrouten des Zeppelins. Daufklicken zum Vergrössern. Quelle: Blog des Pegasos-Projektes

Freie Radikale - eine Art "Waschmittel" in der Atmosphäre?

Was sind eigentlich "freie Radikale"? Einfach gesagt, im eigenen Körper hat man sie nicht gerne, weil sie andere Moleküle aggressiv zersetzen. Wenn sie aber in Kilometerhöhe über uns vorhanden sind und Schadstoffe in weniger schädliche Elementarbestandteile umwandeln, dann muss man mehr darüber erfahren. Man vermutet in der Troposphäre eine Art "Schutzschicht", bestehend aus freien Radikalen, den Hydroxyl-Radikalen, die da irgendwo zwischen 1000 und 3000 Metern Höhe herumschwirren und dort genau das tun, was wir in unserem eigenen Körper nicht gerne zulassen: Heftig reagieren und grosse Moleküle in kleinere zerschlagen..


Ein wichtigster Grund dieser Messflüge ist es, mehr über die Verteilung, Konzentration und Auswirkung der Hydroxyl-Radikalen in der Atmosphäre zu erfahren. Das Hydroxyl-Radikale diese Reinigungsfunktion besitzen, hat man schon in vorherigen Experimenten beweisen können. In einer Pressemitteilung des Forschungszentrum Jülich heisst es;

Hydroxyl-Radikale (OH-Radikale) sind hochreaktive Verbindungen, die aus einem Sauerstoff- und einem Wasserstoffatom bestehen. Sie reagieren mit den meisten Luftschadstoffen wie zum Beispiel Stickoxiden, Kohlenmonoxid oder Kohlenwasserstoffen und wandeln diese in eine wasserlösliche Form um. Mit dem nächsten Regen werden diese Stoffe dann aus der Atmosphäre entfernt.
Jetzt gibt es aber ein kleines Problem bei den Messungen, denn alle Luftproben werden durch kleine Schläuche in die Messgeräte eingesaugt und wenn dabei die freien Radikale auf irgendwelche andere Moleküle stossen, reagieren sie mit ihnen schon im Schlauch, bevor sie das Messgerät erreichen. Deswegen befindet sich an der Oberseite des Zeppelins eine zusätzliche Apparatur, die schon durch den Kontakt mit den freien Radikalen diese registrieren kann.


Treffen die Hydroxyl-Radikale auf diese Kegel, werden sie von der Apparatur darunter registriert. 

Und was bedeutet das in Sachen "Chemtrails"?

Tja, wenn es tatsächlich eine Atmosphärenschicht mit freien Radikalen gibt, die viele grössere Moleküle zerstört, dann kann nichts, was viel weiter oben ausgebracht wurde, in Regenwasserproben unverändert auftauchen, das muss dann von anderswo herkommen. Die Chemtrail-Gläubigen wollen ja nicht einsehen, dass das, was man im Regenwasser findet auch von Abgasen der Industrie, des Strassenverkehrs oder von sonstwo herkommen können. Wenn sich diese Hypothese der freien Radikalen in der Troposphäre bestätigt, ist das ein extremer Rückschlag für diejenige, die mit Regenwasserproben Chemtrails beweisen wollen, denn ab dann gilt, das alles was man im Regenwasser oder Blutproben findet, ganz bestimmt von "unten" und nicht von Flugzeugen kommt.

Anderseits ist es die Chance für die Chemtrail-Gläubigen. Dieser Zeppelin wird auch mit verschiedenen Massenspektrometern ausgestattet werden, mit Massespektrometern würde man auch Stoffe finden, nach denen man eigentlich gar nicht sucht. Bekanntlich vermuten die Chemtrail-Gläubigen die Stoffe Aluminium und Barium in den Chemtrails. Wenn man in den Messungengen des Zeppelins in Höhen von ein bis drei Kilometern diese Stoffen überhaupt nicht findet - das wäre sogar fast der von der Bürgerinitiative "sauberer Himmel" oft verlangte Beweis, dass es keine "Chemtrails" gibt.

Zu den Pegasos-Projekt gibt es eine Webseite und einen Blog. Genug Kontaktmöglichkeiten sind also vorhanden. Vielleicht fragt ja mal jemand von der Bürgerinitiative "sauberer Himmel" nach, ob die Forscher freundlicherweise während der Messgampagne auch auf Aluminium, Barium oder sonstige vermutete Chemtrail-Inhaltsstoffe achten könnten.


Und wiedermal liefern die Chemtrail-Skeptiker wie meine Wenigkeit einen Hinweis, wie man die Frage um die Existenz der Chemtrails klären könnte. Warum berichten die Chemtrail-Seiten nicht darüber, dass es ab jetzt einen Zeppelin gibt, der echte Messwerte liefert, jenseits eines Plastikbechers im Garten?

Kommentare:

  1. Der Zeppelin startet morgen (17.5.2012) von Friedrichshafen Richtung Mainz und fliegt morgen von Mainz über Bonn und Jülich in die Niederlande. Also Augen offen halten und in den Himmel gucken!!!

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  2. Hallo,
    gerade kreist PEGASUS über Mainz-Finthen.

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  3. Gerade hat der PEGASOS seine Runde über Bad Honnef gedreht und ist jetzt unterwegs Richtung Bonn

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  4. Der Pegasos ist gerade über Niederkassel geflogen und fliegt jetzt in Richtung Köln.

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  5. Beim SWR gab's heute sogar nen kleinen Bericht zu Pegasos.

    http://www.swr.de/landesschau-aktuell-rp/-/id=233240/did=9749438/pv=video/nid=233240/13m911m/index.html

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  6. Gerade ist der Zepplin über Erftstadt zu sehen und zieht in Richtung Köln.

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  7. Ja Super. Heute war er in Grambach ( Nähe Graz) unterwegs.

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  8. es flog heute über bibione. direkt über den badestrand.

    aber btw: von allen seiten wird mittlerweile eingeräumt, dass chemtrails wirklich existieren, sogar mit begründungen etc, aber hier wird immer noch dementiert. peinlich peinlich peinlich. für wie blöd wird man denn noch gehalten??????

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  9. "von allen seiten wird mittlerweile eingeräumt, dass chemtrails wirklich existieren, sogar mit begründungen etc, aber hier wird immer noch dementiert. "

    dann nenn doch mal eine Quelle dafür, dass die Existenz der Chemtrails "eingeräumt" wird.


    Der Artikel vom Kopp-Verlag letztens? da stimmt schon die Überschrift nicht, von wegen ein Institut würde "Chemtrails fordern". Nein, denn im verlinkten artikel hat jemand von diesen Instut das einfach mal durchgerechnet und kam mit den Simulationen zu einen Ergebnis. Der verlinkte Nature-Artikel und die Aussagen des angeblich "fordernden" Institutes warnen sogar, sich mehr mit den Folgen zu befassen, bevor man in ferner Zukunft auf die Idee kommt, sowas zu realisieren. Kopp tut dagegen so, als würde genau dieses Institut "chemtrails fordern".

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  10. hmja die chemrailsdeppen immer die glauben was zu wissen von dem was sie sehen. unverschämt. ach und hier sieht man normalen flugverkehr:

    http://www.youtube.com/embed/8vTBeRFfSvc

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    1. Das Video kenne ich, Dieser 53Sigpig hat übrigens sogar mal ein Video gepostet, indem er die Eisblumen an seinem Fenster als "chemtrail-Fallout" interpretiert hat. Er wohnt in (oder in der Nähe von) Aachen. Und da führen einige der Hauptrouten Europas drüber. Dieses Bild zeigt, was zu den Zeitpunkt des Videodrehs über Aachen los war. Der erste April war feuchtkalt, kann mich noch sehr genau erinnern.

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  11. Schon lange kein Artikel mehr. Wann gibts denn mal wieder was neues?

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    1. danke für die Nachfrage, einerseits weniger Zeit, andererseits keine Musse. Auf ein Thema war ich scharf, aber es gab nichts brauchbares dazu.

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  12. Ich habe eine Wichtiege Frage an Dir!

    Wenn Chemtrails unterwegs sind! Dann ist großen Flugverkehr da!!! Über mein Wohnort. Danach jetzt mitlerweihle seit 4-5 Wochen ist nichts da!!! Nicht mal Kondesstreifen! Wie soll ich das verstehen? Der Himmel ist supper Blau keine Spuren von Chemtrails! oder Kondensstreifen! Es gibt nur Weiße Schäfchenwollken! Alles ist wie im Bilderbuch! So soll es auch bleiben!

    Lichte Grüße

    Irene

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    1. Der Luftverkehr ist auch da, wenn man keine Kondensstreifen sieht, nur sind die Flugzeuge ohne Kondensstreifen sehr schlecht zu sehen - die Kondensstreifen zeigen ja, wo man suchen muss und das menschliche Auge hat nur in der Mitte des Sichtfeldes überhaupt das nötige Auflösungvermögen. Zudem sind viele Flugzeuge so lackiert, dass man von unten kaum Kontrast zum Himmel sieht (Lufthansa-Maschinen sind unten hellgrau). Man muss schon geübt sein, um Flugzeuge ohne Kondensstreifen in Reiseflughöhe erkennen zu können.

      Die "Schäfchenwolken" sind meistens Cumulus-Wolken, die befinden sich meistens in ca. 1 Km Höhe, die Flugzeuge fliegen aber meistens in Reiseflughöhre 10 mal so hoch, dort können völlig andere Bedingungen herrschen als in der Höhe, in der sich die Schäfchenwolken befinden

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  13. gestern flog er über den Raum Wels/Österreich - Richtung Norden - über Autobahn A8. Wenn man da keine Ahnung hat, was da am Himmel daherkommt, kann man sich gar nicht vorstellen, was diese"Flugobjekt" da soll. Aber nachdem ich nun im Internet "seine" Aufgabe gefunden habe, weiß ich einigermaßen Bescheid! Aber schon alleine diesen Zeppelin zu sehen war etwas "beeindruckend"....

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  14. Den Artikel habe ich jetzt nicht gelesen...

    aber ich finde die Seite ganz interessant, weiter so =)

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  15. Vielen Dank für dieses informative Artikel. Es ist sehr hilfreich.

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  16. Hallo,

    existiert dieses Blog noch? Hoffe ja, wäre ja sonst schade drum.

    Hatte mein Weltverschwörungsblog zwischenzeitlich geschlossen, nun ist es aber - unter neuer Adresse - wieder da:

    http://weltverschwoerungen.wordpress.com/

    Wäre supi, wenn dies hier in der Blogroll geändert werden könnte.

    Viele Grüße!
    Pätus

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